Die Arbeit der ITNS Nachlassverwaltung geht jetzt ins 8. Jahr und entwickelt sich zu einem Salon der Begegnung im Zeichen der Kunst. So versteht sich auch der ITNS Verlag als ein „Salon zwischen zwei Buchdeckeln“ und daher ist es nur konsequent, der Anregung einiger Newsletter-Abonnenten zu folgen, ein Gästebuch für Kommentare, Anmerkungen und Ergänzungen hinzuzufügen. Das ist hiermit jetzt geschehen und den Auftakt macht Bernd B. mit seinen Anmerkungen zur Verwendung von Gold in den Arbeiten von Ingnahl Magadan, ausgehend von dem Text zu den Schuh-Objekten von Dr. Jörg Restorff („Skulptural, spirituell und sexy“, Mai 2026).
Alle Newsletter-Bezieher können sich über den neuen Link ins Gästebuch eintragen. Das Gästebuch ist allerdings nur für Bezieher des Newsletters geöffnet. Und es gilt das Prinzip: die Freunde der ITNS Nachlassverwaltung können immer auch neue Freunde mitbringen.
Um das Gästebuch lesbar zu halten und zugleich einerseits den Diskurs zu befördern, hinreichend Raum für Gedanken und Kommentare zu geben, aber es doch auch handhabbar und rezipierbar zu halten, wird die Zahl der Zeichen auf maximal 2.500 festgelegt.
In der Frühzeit wurde Gold seiner Seltenheit, seines Glanzes und seiner Unvergänglichkeit (Korrosionsbeständigkeit) wegen exklusiv mit den Göttern in Verbindung gebracht. Bei den alten Ägyptern galten Gold als das Fleisch der Götter („nfr“ bzw. „nefer“) und Silber als die Knochen der Götter. Die Pharaonen wurden als Söhne des Sonnengottes („Re“) ebenfalls mit Gold und Silber bestückt. Eine ähnliche Rolle spielte Gold später bei römischen Kaisern, wobei Gold deren Nähe als „Divus“ („Göttliches Wesen“) zu den Göttern symbolisieren sollte. Letztlich ging es um die Repräsentation von Reichtum und Macht.
Im christlichen Altertum war Gold dem Gott Vater, der Trinität und später den Heiligen vorbehalten; eindrücklich zeigt dies das Pantokrator-Mosaik in der Hagia Sophia mit Jesus Christus als Pantokrator, flankiert von der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer - alle drei vor goldenem Hintergrund und mit einem goldenen Heiligenschein.
Gold diffundierte im Zeitverlauf von den Göttern über die Heiligen, Mächtigen und Reichen hinunter zu den breiten Schichten. Es findet sich als Schmuck, als Geld, als Zahnersatz aber auch in der derzeit stark wuchernden kulinarischen Dekadenz (Schnitzel mit Blattgold etc). Vor allem aber findet es sich im sakralen, künstlerischen und kunsthandwerklichen Bereich; und hier finden wir es auch in dem Schuh-/Stiefel-objekt der Künstlerin Ingnahl Magadan. In dem Objekt sind die Schuhsohlen vergoldet. Was sich hier vordergründig als profan--luxuriös oder artifiziell betrachten läßt, kann metaphysisch umgedeutet werden, wobei sich dann der geistige Blick vom Irdischen wieder hoch zum Transzendenten wendet, also eine Umkehrung der Sicht stattfindet:
Die Goldschicht auf den Schuhsohlen des Magadan´schen Kunstobjektes lässt sich als Trennfolie zwischen dem irdischen Unten und dem himmlischen Oben begreifen: Unterhalb des Goldes das Irdisch-Weltliche, oberhalb das Himmlische. Steht ferner die Künstlerin in den Schuhen, steht sie oberhalb des Irdischen und ist so als Sterbliche ein verbindendes Medium zwischen dem irdischen Unten und dem himmlischen Oben; sie ist also Hohe Priesterin bzw. Schamanin. Sakral-kultische Kunstaktionen wären also in dem Zusammenhang denkbar.